Kunst mit Fokus auf die Underdogs der Natur

Meine Geschichte, Inspiration und Hintergründe

Warum die Fliege

Mehrmals am Tag werden wir von ihr begleitet, besucht, tangiert, geärgert. Und doch nehmen wir kaum Notiz von ihr. Genau da beginnt meine Arbeit und Auseinandersetzung mit diesem faszinierenden Wesen.

Die Fliege ist weit mehr als Bestäuberin und Entsorgerin. Sie ist eine ikonografische Figur, eine anarchische Akteurin und das latent, ungefragt und unerbittlich. Rabe bei Poe, Käfer bei Kafka, Wal bei Melville, auch die Fliege erzählt uns etwas über uns, ob wir wollen oder nicht. Seit dem Mittelalter steht sie für Sünde, Vergänglichkeit und das Teuflische, seit der Renaissance beweist sie in trompe-l'œil-Manier künstlerische Virtuosität. Wir sehen sie nie einfach nur. Wir sehen das, was wir über Jahrhunderte auf dieses winzige Tier abgeladen und projiziert haben. Ein spannender und erstaunlich wenig beachteter Interaktionsraum in unserer Kultur.

Mich fasziniert das daraus deutlich werdende Fliegenparadox: Kaum ein Tier ist so omnipräsent, ökologisch relevant und kulturell wirkmächtig und wird zugleich so gering geschätzt, missachtet, gar verfolgt. Bei kaum einem anderen Tier bzw. Wesen klaffen die kulturelle Bedeutung und diesbezügliche Wertschätzung so weit auseinander.

In einer Zeit der Optimierungswut, der Kontrolle und der permanenten Selbstinszenierung erinnert die Fliege daran, dass nicht alles verfügbar, planbar und beherrschbar ist. Sie ist die Herrschaft des Unscheinbaren. Eine Souveränin auf sechs Beinen, gegen deren Beharrlichkeit selbst die beste Ordnung nur vorläufig bleibt.

Meine Kunst gibt dieser Wandererin zwischen Präsenz und Unaufmerksamkeit eine Bühne. Aus Irritation soll Interesse werden, aus dem Wegwischen ein genaueres Hinschauen. Denn wer der Fliege begegnet, begegnet am Ende vor allem sich selbst. Und die Klatsche wandert vielleicht ins Museum. In Zeiten von Insektensterben und Klimawandel kommt es auch, oder gerade, auf die Fliegen an.

Interessiert Sie die kulturelle Einflussnahme der Fliege näher? Dann schauen Sie gerne auf folgende Seite: www.fliegenkosmos.de. Hier können Sie tiefer in die Materie einsteigen. Versprochen: Danach sehen Sie die Fliegen mit anderen Augen! Viel Spaß beim Stöbern.

Über den Künstler

Angefangen hat alles im Selbstversorgergarten meiner Großeltern. Mein wortkarger Großvater, aufgewachsen in Ostpreußen, zeigte mir dort eines Tages einen Kartoffelkäfer, zugegeben ein hübsches aber unbeliebtes Tier. Sinngemäß sagte er dazu: Nur weil wir Menschen ein Tier zum Schädling erklären, verliert es dadurch nicht seine Daseinsberechtigung. Und dann sammelten sie die Käfer nicht ein, um sie zu töten, sondern siedelten sie um. Diese Konsequenz hat mich beeindruckt. Der Satz ist geblieben.

Aus dieser frühen Prägung wurde Interesse und Begeisterung für die "Underdogs" der Insektenwelt. Über die Jahre wurde dann eine künstlerische Haltung und kulturwissenschaftliches Interesse daraus.

Für mich ist die Fliege aber nicht nur Thema, sie ist ebenfalls Ausgangspunkt. Mich interessiert, was ein scheinbar unbedeutendes Wesen über den Menschen erzählt. Seit Jahrtausenden begleitet die Fliege unsere Kultur als Symbol von Ekel und Tod, als Sinnbild der Vergänglichkeit, als Störerin, Muse und wissenschaftliches Modell. In ihr verdichten sich die großen Fragen nach Schönheit, Ordnung, Moral und Wahrnehmung.

In meiner künstlerischen und essayistischen Arbeit verbindet sich Kunst, Kulturgeschichte, Philosophie und Naturwissenschaft zu einer neuen Perspektive auf dieses übersehene Lebewesen. Und das nicht nur, um die Fliege zu rehabilitieren, sie endlich wertzuschätzen, sondern vor allem, um unseren Blick auf die Welt zu erweitern. Meine Arbeiten sollen dazu einladen, das Vertraute neu zu sehen und im Kleinsten das Große zu entdecken.

Zu meiner Person: Ich bin 1980 in Niedersachsen geboren. Habe Musik (Klavier/Dirigieren) und Musikpädagogik - später noch ein Aufbaustudium BWL/Management - in Hannover und Dublin/Maynooth studiert. Tätig war ich als Musiker und Musiklehrer bevor mein Weg in das Bildungsmanagement führte. Aktuell arbeite ich als Schulleiter und bin in der Verbandsarbeit tätig. Ich lebe aktuell mit meiner Frau und zwei Töchtern in Berlin. Kreativität, Unkonventionalität, Neugier und der Spaß an komplexen Strukturen leiten und motivieren meine Arbeit sowohl in der Bildung, als auch in der Kunst. 

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